Werden Sakralorgeln zu teuer?

  • Seite 2 von 3
15.03.2025 17:45
#16 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
So

Das HW Upgrade von 4 auf 9 kostet zu mehreren Zeiten im Jahr zwischen 207 und 218 Euro + 45 für Ilok-Dongle.

Der Klanggewinn ist enorm (Brillanz, große Lebendigkeit durch physical-modeling-Elemente (!)
Völlig anderes Niveau insbesondere bei schwierigen Dingen wie Tremulanten, Pitchen.
Keinerlei Aliasing mehr....u.a.)

Zwischen den Samplesets von damals und heute liegen Welten in jeglicher Beziehung (Klarheit, Durchhörbarkeit, Realismus der Pfeifenansprache, einnehmbare Perspektiven, Trennung des Direktschalls vom Hall, Raumsimulation....u.v.a.m )

HW 4.2 war ein bedeutender Schritt 2013.
12 Jahre Weiterentwicklung haben nicht ein bisschen, sondern buchstäblich alles verändert.
Die Bedienung ist mit HW9 und Touch, wenn man die Menüs bewusst für seine Situation reduziert, beinahe auf dem Level des sehr einfachen Sweelinq - bei gewaltigem Mehrwert .

(Ein Sweelinq, das jedoch klanglich nicht, in keinem obengenannten Aspekt, auch nur entfernt konkurrieren kann.)


 Antworten

 Beitrag melden
15.03.2025 19:39 (zuletzt bearbeitet: 15.03.2025 20:10)
#17 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
avatar
Administrator

Es geht hier im Thread ja um Sakralorgeln, also das klassische, monolithische Instrument abseits der Modularlösungen, wie Kollege Regal richtigerweise angemerkt hat.

Eine Orgel aus dem unteren Mittelsegment (Opus, Optimus dreimanualig) kostet inzwischen so viel, wie zwei (!) Orgeln aus der Einsteigerklasse, die aber klanglich nicht unbedingt dürftiger sind!
Anstatt mir eine Concerto oder eine Opus mit paar Extras zu gönnen, könnte ich auch zwei kleine Orgeln kaufen - eine für das Wohnzimmer und eine für den Empfangssalon in meinem nicht vorhandenen Schloss...

Die preisliche Spanne von der kleinen Optimus 2-28 bis hin zum 'Schlachtschiff' 3-47 reicht von € 5.590,- bis 11.290,-.
Klanglich sind sich diese Orgeln jedoch ebenbürtig, die Unterschiede liegen nur noch in der Manual- und Registerzahl und ggf. in der Gestaltung des Spieltischs begründet. Für die Einsteigerklasse ist das eine gute Nachricht.
Ähnlich verhält es sich mit den Studio-Orgeln von Johannus; auch sie sind für die Einsteiger eine gute Nachricht.
Das muss auch einmal (und in allem Ernst) gewürdigt werden.

Wechselt man aber - aus welchen Gründen auch immer - in die nächsthöhere Modellreihe, landet man relativ rasch bei einem Hauspreis (!) zwischen € 9.000 und 14.000, tendenziell jedenfalls zumeist jenseits der 10k-Grenze. Und da steigen eben viele - unter ihnen auch ich - aus.

In der Tat würden mich die realen Kundenbewegungen und Verkaufszahlen interessieren, wie sie sich nach der Heimsuchung von Teu'rung, Pest und Brande präsentieren...


🌷Johannus Opus 260 (wird erwartet)

 Antworten

 Beitrag melden
15.03.2025 22:37
#18 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
La

Die Preissteigerungen wären kaum so heftig ausgefallen, wenn die Kunden nicht auch in deutlich spürbarem Umfang mit Kaufzurückhaltung reagiert hätten bzw. die Zielgruppe nicht auch kleiner geworden wäre...

Meine Meinung: Mit dem jetzigen Preisniveau hat sich die Branche in die Situation manövriert, dass Kunden mindestens 5500 Euro flüssig haben müssen, bevor man ihnen überhaupt irgendwas verkaufen kann! Und unter 10.000 Euro gibt es nur noch Einheitsware. Wen will man damit bitte in einem Hobby-Bereich mit Nachwuchsproblemen ansprechen?

Und ich finde noch schlimmer: Die Branche hat absehbar nichts (nichts!) im Köcher, was sie jenen Bestandskunden als Verbesserung verkaufen könnte, die bereit (und in der Lage) wären immerhin 1000 bis 2000 Euro auszugeben!!

Habe ich etwas verpasst, und das alles ist nur eine große Werbekampagne für Hauptwerk? Oder sollte ich mir mehr Sorgen um die internationale digitale Orgelbranche als um die deutschen Autohersteller machen? (Ein chinesischer Hesteller bietet übrigens inzwischen ein E-Auto mit KI-Assistenzsystem für unter 10.000 Euro an.)


 Antworten

 Beitrag melden
16.03.2025 06:28 (zuletzt bearbeitet: 16.03.2025 06:45)
avatar  SJL
#19 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
avatar
SJL

Zitat von Laurie 3.0 im Beitrag #11
Die Preisentwicklung der letzten Jahre war schon heftig genug: Die neue Studio 260 kostet heute etwa doppelt so viel, wie eine Opus 910, die damals ebenfalls einen klanglichen Quantensprung in die Volksorgel-Klasse brachte. Orgelspielen ist schlicht viel teurer geworden. Dabei spielt weniger Statistik eine Rolle als viel mehr das Gefühl: Denn schon damals war die Opus 910 keinesfalls ein Schnäppchen.



Der letzte Satz trifft es gut. Man muss in der Tat einfach mal nachrechnen, dann relativiert sich das Bild:

Wenn eine Studio 260 heute etwa doppelt so viel kostet wie eine vergleichbare Orgel vor ~30 Jahren, dann ist das eine jährliche Teuerung von gerade mal rund 2,3% [(6000/3000)^(1/30)]. Weiterer Datenpunkt: eine Studio 150 kostete bei ihrer Einführung 2011 rund 4000 Euro Straßenpreis (was damals hier im Forum als sensationell günstig gefeiert wurde), heute liegen wir mit der Studio 260 bei rund 6000 Euro. Das sind 2,9% Teuerung p.a. [(6000/4000)^(1/14)]. Also m.E. auch nicht völlig absurd, insbesondere, wenn man die Performance der heutigen Instrumente mit der von damals vergleicht.

Die Teuerung mag sich in den letzten Jahren sicherlich beschleunigt haben (angesichts der Energie- und Rohstoffpreisentwicklung nachvollziehbar), dennoch kann ich aber beim besten Willen nicht erkennen, dass Digitalorgeln - in Relation zur Kaufkraft - unerschwinglich geworden wären.

VG
Stephan


 Antworten

 Beitrag melden
16.03.2025 07:28
#20 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
So

Für rund 4000 Euro kann man sich in jede gebrauchte Sakralorgel Hauptwerk einbauen lassen - inkl. einem Paar guter externer Monitore.... zusätzlich zur nutzbaren internen Abstrahlung.

(....und hat dann bis auf den Touchscreen weiterhin seinen " monolithischen", oft schönen Spieltisch)

....nun aber mit sprichwörtlich allen klanglichen Möglichkeiten, allen denkbaren Ausgängen, wunderbaren historischen Orgeln in ihrem spezifischen gesampelten Raum.
Jederzeit updatebar und modular.....
bei neueren Samplesets in perfekter Qualität.


(In dem Sinne wie @Laurie 3.0 weiter oben ,🙋‍♂️
Grüße)

(Wenn man will und einem das Abo Wert ist, noch zusätzlich Sweelinq....)


 Antworten

 Beitrag melden
16.03.2025 07:42 (zuletzt bearbeitet: 16.03.2025 07:55)
avatar  wohli
#21 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
avatar

Wir haben vor Jahren den Preis einer bei uns sich gut verkaufenden Zahnpasta gesenkt, in der Hoffnung noch mehr davon verkaufen zu können. Und tatsächlich gingen so in dem gleichen Zeitraum, in dem sonst 10 Tuben verkauft wurden 15. Große Freude: Umsatzsteigerung von 50%!!
Die Ernüchterung kam beim Berechnen unseres Gewinns - wir hätten 22 verkaufen müssen, um den gleichen Ertrag zu erwirtschaften. Und das bei einer mehr als Verdoppelung von Warenlager, Personaleinsatz etc. Fazit: Man kann mit weniger Umsatz oft mehr erwirtschaften ...

Wenn ich 10 "kleine" Orgeln verkaufen muss um den gleichen Gewinn wie mit einer "großen" zu machen, was ist als Händler da wohl für mich interessanter?

Zumal es mit dem Verkaufen an sich ja nicht getan ist - die Dinger müssen noch quer durch Deutschland transportiert und aufgestellt werden ... allein dieser "Frei-Haus"-Service frisst doch bei kleinpreisigen Instrumenten die Marge auf ...


 Antworten

 Beitrag melden
16.03.2025 08:52 (zuletzt bearbeitet: 16.03.2025 08:53)
avatar  SJL
#22 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
avatar
SJL

Es stellt sicher niemand infrage, dass ein Premiumprodukt höhere Margen erzielen kann als ein Einstiegsprodukt, sowie, dass der Verkaufspreis ceteris paribus immer die mächtigste Stellschraube für die Profitabilität darstellt. Auch, dass die Freunde des "gepflegten Kabelsalates" i.d.R. günstiger fahren als die Käufer einer Orgel "von der Stange", dürfte ebenfalls nichts Neues sein.

Aber ging es hier nicht primär um die Frage, ob Orgeln "zu teuer" geworden sind, also die Preissteigerungen der letzten Jahre für vergleichbare Produkte unangemessen ist? Eine durchschnittliche jährliche Teuerung von 2-3% über die letzten Jahrzehnte (siehe meine Beispiele unter #19) scheint mir jedenfalls kein hinreichender Grund zu sein, den Niedergang der Hausorgelkultur auszurufen. Anders ausgedrückt: Wer sich vor 20 Jahren ein bestimmtes Orgelmodell leisten konnte, der sollte das heute mutmaßlich auch noch hinkriegen (durchschnittliche Entwicklung von Einkommen / Lebensstandard vorausgesetzt).

VG
Stephan


 Antworten

 Beitrag melden
16.03.2025 09:03 (zuletzt bearbeitet: 16.03.2025 09:05)
#23 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
avatar
Administrator

Das sind alles gewiss kluge und richtige Überlegungen.
Ähnlich wie bei anderen teuren Gütern (Auto...) stellt sich mir aber beim Überschreiten einer gewissen Preisgrenze die Frage, ob ich das Produkt überhaupt noch brauche.

Beim Aufruf von 14.000 Euro für eine mit Holz aufgehübschte Concerto war ich sofort raus; da musste ich nicht erst lange überlegen. So viel ist mir die Möglichkeit, ab und an zu Hause zu spielen, nicht wert.
Hätte sie z.B. 11.500 Euro gekostet, hätte ich zumindest überlegt.
So aber wird es eher die kleine Studio werden - ohne allen Schnickschnack, aber für meine Zwecke 'gut genug'.

So gesehen sind mir Sakralorgeln heutzutage sehr wohl 'zu teuer'. Nicht, weil ich es mir nicht leisten kann, sondern weil ich solche Preise nicht bezahlen will.


🌷Johannus Opus 260 (wird erwartet)

 Antworten

 Beitrag melden
16.03.2025 09:18 (zuletzt bearbeitet: 16.03.2025 09:29)
avatar  SJL
#24 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
avatar
SJL

Das ist aber das Phänomen, dass psychologische Preisgrenzen (z.B. das Springen von 4- auf 5-stellige Beträge) nicht mit der Realität Schritt halten, insbesondere, wenn man schon ein paar Jahre länger auf der Welt ist. Ich selbst ertappe mich auch immer wieder dabei, dass ich heutige Preise intuitiv mit solchen von vor 20 Jahren vergleiche ("ist doch noch gar nicht so lange her"). Aber wenn ich dann wiederum mein heutiges Gehalt dem von damals gegenüberstelle, dann passt es wieder.

Vielleicht kann man es aber auch positiv sehen: Vor 20 Jahren musstest du ein deutlich 5-stelliges Vermögen ausgeben für eine Orgel, die einigermaßen authentisch nach Orgel geklungen hat. Heute bekommst du sie für 6 k€ quasi zum Schnäppchenpreis, dh. so gesehen sind gute Orgeln eigentlich sogar viel billiger geworden .


 Antworten

 Beitrag melden
16.03.2025 09:49
#25 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
avatar

Gerade mal bei einer seriösen Quelle ( https://www.auto-motor-und-sport.de/neuh...ter-20000-euro/ ) nachgeschaut: Autos unter 20000 zählen als "Modelle für den schmalen Geldbeutel". Und da kommen noch die Folgekosten für Verbrauch und Reparaturen hinzu.

Das Preisempfinden ist natürlich nochmal was anderes -- gerade letztens las ich, dass es bedeutend leichter ist, sich zu merken, dass etwas teurer geworden ist; Preissenkungen dagegen bleiben nicht so gut im Gedächtnis (passend dazu kann ich mich in meinem Alltag gerade an keine erinnern, aber die Walnüsse fürs Müsli kosten seit ein paar Wochen definitiv mehr als davor :D).

Am Ende macht es bestimmt auch etwas aus, wieviel das Instrument gespielt werden soll. Wer noch die Schlüssel für benutz- und erreichbare POs hat, kann bei der DO für zuhause dann kritischer sein.


 Antworten

 Beitrag melden
16.03.2025 11:30
avatar  pvh
#26 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
pv
pvh

Hallo,

es ist richtig, dass das Empfinden von Preissteigerungen nicht unbedingt etwas mit der tatsächlichen Verteuerung zu tun hat, auch wegen der angesprochenen Qualitätssteigerungen. Bei mir ist es auch so, dass ich immer irritiert bin, wenn die Zahl einer Preisangabe in Euro höher ist als ich das aus DM-Zeiten in Erinnerung habe (z.B. Jeans, Restaurantpreise). Aber inzwischen haben wir aber 23 Jahre Euro, da bedeuten 3% Preissteugerung im Jahr eben eine Verdoppelung des Preises in diesem Zeitraum.

Nun spiegelt aber die durchschnittliche Preissteigerung nicht immer die Einwicklung in einzelnen, für den Einzelnen mehr oder weniger relevanten Bereichen wider. Die Preissteigeurng bei Digitalorgeln interessiert die meisten Leute gar nicht, die für Mieten in Großstädten oder bestimmte Lebensmittel, KFZ-Kosten, notwendige Zuzahlungen bei Krankheit usw. aber schon mehr.

Dazu kommen die subjektiven Bedürfnisse. Ich habe gestern Freunde getroffen. Da zeigte sich, dass ich zu den ganz, ganz wenigen gehöre, die noch keine Kreuzfahrt gemacht haben. Manche fahren mehrmals im Jahr. 2 Kreuzfahrten für 2 Personen entspricht aber aktuell schon dem Preis der Studio. Wenn man glaubt, man "muss" die Kreuzfahrten machen oder dass man "unbedingt" ein bestimmtes Smartphone, Auto oder einen riesenhaften Fernseher inkl. Netflix, Amazon, Disney und Sportkanälen "braucht", ist das Geld halt erst mal weg.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.


 Antworten

 Beitrag melden
16.03.2025 13:43
avatar  SJL
#27 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
avatar
SJL

Ja, für Urlaube kann man ein Vermögen hinblättern. In meiner Jugend ist man mit der Familie in irgendein hutzeliges Ferienhaus im deutschen Mittelgebirge oder an der Nordsee gefahren und war dann happy. Heute geht die durchschnittliche Akademikerfamilie im Winter Skifahren und dann noch 2x im Jahr "All-In" irgendwo nach Übersee. Erschwerend kommt hinzu: man kann in dieser Zeit die Orgel noch nicht mal nutzen... Falsche Prioritäten


 Antworten

 Beitrag melden
16.03.2025 14:29
#28 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
avatar
Administrator

Oder man wallfahrtet zwecks Entscheidungsfindung eben mal von Wien nach Augsburg: 2 volle Tanks, Hotelzimmer, Abendessen... Aber keine Sorge: Die Kosten der Fahrt waren gut investiert.


🌷Johannus Opus 260 (wird erwartet)

 Antworten

 Beitrag melden
16.03.2025 14:38 (zuletzt bearbeitet: 16.03.2025 14:41)
avatar  wohli
#29 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
avatar

gerade gefunden: 1962: Monatslohn 241DM / Bierpreis 0,59DM / Eierpreis 0,20DM / Kaffee 17,20DM / Dollarkurs 3,90DM ...

Monatslohn heute : x20 dann würde der Kaffee 170€ kosten ... Was geht's uns gut ...


 Antworten

 Beitrag melden
16.03.2025 14:55 (zuletzt bearbeitet: 16.03.2025 14:55)
#30 RE: Werden Sakralorgeln zu teuer?
La

Gerade letzte Woche wieder gesehen beim Abgeben einer Lebensmittelspende bei einer "Tafel" : Wie lang die Schlangen dort inzwischen sind - und darunter auch viele Leute dabei, die sich früher mal eine Opus leisten konnten. Mit solchen Menschen über die Inflation bei Energiekosten oder bei Butter zu reden, kann ich nur empfehlen. Und sich mal anhören, was die von solchen Statistiken halten...


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!